Tagblatt Online, 23. September 2011 01:07:53

Trompeten ist sein Leben

Für Josef Stadler ist Trompeten «eifach guet fürs Gmüet». Seit 78 Jahren bleibt er seinem Hobby treu.

1101610 m3w560h330q75v54625_xio-fcmsimage-20110923010753-006290-4e7bbfc9b7266_tbtg_20110923_4n9sr_h5(Bild: Reto Martin)

Josef Stadler feierte letzte Woche seinen 92. Geburtstag. Seit fast 78 Jahren spielt der begeisterte Musiker Trompete. Dass er der älteste aktive Musikant im Thurgau ist, macht ihn stolz, auf Ruhm ist er deswegen nicht aus. Sereina Capatt aadorf. Ausprobiert hat Josef Stadler viele Instrumente. Er übte auf der Handorgel. Doch die warf seine Mutter nach kurzer Zeit als Brennholz in den Ofen. Die Gitarre und das Keyboard reizten ihn nur für kurze Zeit. Es war die Trompete, die ihn seit seinem 14. Lebensjahr in den Bann ziehen. Zum Instrument brachte ihn sein Vater, der ihm auch die ersten Töne lehrte. 1934 trat er als 16-jähriger der Musikgesellschaft Aadorf bei und blieb ihr bis heute treu. Damit ist er nicht nur der älteste aktive Musikant im Thurgau, sondern auch einer der Ältesten schweizweit.

Bliebe noch der Triangel

Was er am Klang der Trompete so schätzt, kann Stadler nicht genau in Worte fassen. «Es ist einfach ein schönes Erlebnis, wenn ich mit der Musikgesellschaft gemeinsam spielen kann», sagt er. Manchmal begleite er auch Chöre. «Doch die Sänger mögen es nicht, wenn ich mit meiner Trompete komme. Ich spiele so laut, dass ich ihre Stimmen übertöne», sagt er und lacht. Früher spielte er mit seinem Sohn gemeinsam an Hochzeiten. Das habe er aber aufgegeben, seit der Sohn verstorben ist. Heute geht der Rentner noch einmal pro Woche zu den Orchesterproben. Rund zehnmal pro Jahr tritt er an Konzerten auf. «Ich spiele nur noch die 3. Trompete. Der nächste Schritt wäre der Triangel», sagt der Senior und lacht. Doch mit einem Ständchen beweist Stadler – er kann's noch. Er hat auch viel investiert für sein Hobby. Zwei Stunden täglich übte er – seit 78 Jahren.

Musiklehrer mit Erfahrung

«Zum Trompete spielen lernen braucht es zwei Dinge: Arbeit und Talent», sagt Stadler. Er greift erneut zur Trompete und spielt einige Töne. Seit vielen Jahren unterrichtet er bei sich zu Hause Kinder im Mittelstufenalter. Er lehrt freiwillig, verlangt kein Geld. Doch er ist ein strenger Lehrer. «Wie man Noten liest, bringe ich keinem meiner Schüler bei. Das setze ich voraus.» Auch ein gewisses Talent brauche man. «Es würde mich Wunder nehmen, wie Sie sich anstellen mit der Trompete», sagt er und mustert die Journalistin genau. Die Trompete begleitete Stadler sein Leben lang. Auch wenn seine Arbeit als Stahlhärter bei einer Feilenfabrik nicht viel mit Musik zu tun hatte. Krieg ohne Trompete Als er während des Zweiten Weltkriegs eingezogen wurde, entschied er sich gegen die Trompete und für die Infanterie, der Kollegen wegen, sagt er. Trompete spielen sei halt einfach gut fürs Gemüt. Auch nicht so kopflastig wie sein zweites Hobby, das Schach, das er auch seit über 50 Jahren aktiv betreibt. «Viele spielen gerne mit mir, da ich immer verliere», sagt er. Wenn er sich zwischen Schach und Trompete entscheiden müsste, es wäre die Musik. «Die Trompete begleitet mich auch schon länger», sagt er. Stolz zeigt er eine Medaille, die er nach 60 Jahren in der internationalen Musikgesellschaft erhalten hatte. Nach 70 Jahren in der Musikgesellschaft Aadorf bekam er ausserdem den Kulturpreis. Zwar freuten ihn solche Auszeichnungen, doch den Rummel um seine Person ist er nicht gewohnt. Er lächelt verlegen, als er für ein Foto posieren soll. Fetziger Jazz gefällt Stadler geht mit der Zeit. Die Musik in der Musikgesellschaft Aadorf habe sich stark verändert, in der langen Periode, in der er Mitglied sei. «Früher waren wir nur Blasmusiker. Heute spielen unter anderem auch Saxophone und Klarinetten mit», sagt er. Ihm gefalle der Mix aus verschiedenen Tönen. Auch modernen Jazz spielt er gerne auf seiner Trompete. Für Stadler ist klar, er hat noch lange nicht genug von der Musik. «So lange die Zähne und die Muskeln noch mitmachen, spiele ich weiter Trompete», sagt er.