Gelungene Standortbestimmung

Die Musikgesellschaft Aadorf und die Stadtharmonie Kreuzlingen präsentierten an einem gemeinsamen Vorbereitungskonzert ihre Stücke, die sie am 8. Juni am Bündner Kantonalmusikfest vortragen werden.

Am 8./9. Juni findet in Chur das Bündner Kantonalmusikfest statt, an dem mit der Musikgesellschaft Aadorf und der Stadtharmonie Kreuzlingen auch zwei Gastsektionen aus dem Thurgau teilnehmen werden. Diese beiden Vereine luden kürzlich zu einem gemeinsamen Vorbereitungskonzert ins Aadorfer Kultur- und Gemeindezentrum ein, um so zwei Wochen vor dem Fest eine Standortbestimmung vornehmen zu können, damit die Dirigenten unter Wettbewerbsbedingungen Anhaltspunkte für den letzten Feinschliff erhalten.

Solides «Adventure»

Die Musikgesellschaft Aadorf, unter der Leitung von Marco Frischknecht, eröffnete mit dem Selbstwahlstück «Adventure» des deutschen Komponisten Markus Götz das Konzert. In diesem Stück hat der Komponist einen bis jetzt fiktiven Film vertont, in dem ein Held in verschiedenste Abenteuer verwickelt wird, gefährliche Flüsse mit Stromschnellen zu überqueren hat und gegen allerlei Wildtiere kämpfen muss. Als die im Vortrag spürbare Dramatik kaum mehr zu übertreffen war, wechselte die Stimmung urplötzlich in ein «andante sostenuto» – der Held begegnet nämlich einer schönen Prinzessin. Doch diese Romanze ist von kurzer Dauer, der Abenteurer muss weiter, die Musikgesellschaft startete mit einem hektischen «allegro dramatico» ins Finale.

Das solide vorgetragene Stück konnte die zahlreich anwesende Zuhörerschaft in ihren Bann ziehen, die Rhythmen stimmten, die Intonation war grösstenteils homogen, an den dynamischen Abstufungen ist wohl noch etwas zu feilen.

Herausforderndes «Antruras»

Mit dem Aufgabenstück «Antruras» des Bündner Komponisten Gion Andrea Casanova bekommen die Drittklass-Vereine in Chur einen harten «Brocken» vorgesetzt. Das Stück fordert wegen seinen vielen verschiedenen Taktarten, Tempowechseln und laufend anderen Tonarten eine grosse Konzentration von allen Registern, auch vom Dirigenten. In «Antruras» (zu deutsch «vor langer Zeit») beschreibt Casanova den Weg eines Wanderers im 14. Jahrhundert durch düstere und bedrückende Wälder, über Lichtungen bis hinauf zur Burg Jörgenberg bei Waltensburg, wo gerade die stolzen Herren von Rhäzüns hoch zu Ross erscheinen. Das Werk widerspiegelt in zwölf Minuten die Gefühlsweit dieses Wanderers mit vielen Emotionen und einer ausdrucksvollen Fantasie.

Der Einstieg gelang dem Verein ausgezeichnet. Die langsamen Tempi wurden von den Musikanten vom Dirigenten gut übernommen. Die nicht einfachen Wechsel vom 4/4- über den 7/8- zum 3/8-Takt und wieder zurück wurden beinahe problemlos gemeistert. Schwierigkeiten ergaben sich, als der etwas gar dünn besetzte Mittelsatz die Federführung übernehmen musste und darob wohl selbst etwas erstaunt war. Beim Fanfarenteil, wo sich insbesondere das erste Blech gut in Szene setzen konnte, fing sich der Verein jedoch wieder auf. Kurz vor Schluss waren noch einige Verschiebungen zu verzeichnen, dank der energischen Stabführung von Marco Frischknecht gelang es dem Korps jedoch, den Schaden in engen Grenzen zu halten und das wirklich anspruchsvolle Stück erfolgreich zu Ende zu führen.

Erstklassiges Kreuzlingen

Die Stadtharmonie Kreuzlingen, mit den rund 60, vorwiegend jungen Mitgliedern beinahe doppelt so gross wie die Aadorfer Musikgesellschaft, musiziert in der ersten Stärkeklasse. Der Verein wird von Stefan Roth dirigiert, der lange Zeit in Aadorf wohnte, dort seine musikalische Grundausbildung genoss und zu dieser Zeit auch Mitglied der Musikgesellschaft Aadorf war.

Interessantes «Nahr-Al-Alwaan»

«Nahr-Al-Alwaan», frei übersetzt «Fluss der Farben» und komponiert von Alex Poelman, beschreibt den Lauf eines Flusses. Regentropfen und Schneeflocken sammeln sich erst in zu einem kleinen Bächlein, das sich in der Folge zu einem grösseren Strom entwickelt, der durch orientalische und westliche Länder fliesst. Die Stadtharmonie Kreuzlingen verstand es ausgezeichnet, die orientalische und westliche Musik umzusetzen. Sogar orientalische Musikinstrumente wie Darbuka (Trommel) und Saz (Gitarre) kamen zum Einsatz, und am Wettspiel in Chur wird sogar eine Violine dazu stossen.

Auf den «Mont Blanc»

Otto M. Schwarz liess sich vom Mont Blanc, dem Dach Europas mit seinen riesigen Gletschern, inspirieren, als er dieses Werk komponierte. Früh morgens machen sich Bergsteiger auf den Weg zum Gipfel und erleben unterwegs den Sonnenaufgang und mancherlei Gefahren. Mit interessanten Geräuschen aus dem Perkussionsregister und lustigem Vogelgezwitscher vom Piccolo gelang der Stadtharmonie Kreuzlingen der Einstieg recht gut. Ein Schneesturm und Steinlawinen verwehren den Bergsteigern den Aufstieg. Dann schwenkt das Wetter wieder um und nach grosser Anstrengung erreichen sie ihr Ziel. Die Stadtharmonie verstand es, dem Publikum diese Erlebnisse mit eindrucksvollen, musikalischen Bildern zu vermitteln.

Fazit

Die beiden Vereine haben nun noch zwei Wochen Zeit, um sich dann am Wochenende vom 8./9 Juni in Chur am Wettbewerb mit jeweils gleich klassierten Vereinen zu messen. Die Musikgesellschaft Aadorf und die Stadtmusik Kreuzlingen treten zu ihren Vorträgen am Samstag, 8. Juni 2013, im Theater Chur an (Aadorf um 10.30 Uhr, Kreuzlingen um 19.00 Uhr).

Quelle: Roman Engeler/Stefan Spiranelli