Ein Feuerwerk italienischer Musik und Fröhlichkeit

Nach der letztjährigen Reise der Musikgesellschaft Aadorf nach Como und den angenehmen Erinnerungen an «Gelati und Vino» stand der diesjährige Unterhaltungsabend ganz unter dem Motto von «Viva lItalia».

Text und Bilder: Peter Zinggeler, Elgger / Aadorfer Zeitung, Dienstag 19. März 2013

Aadorf – Viele denken bei Blasmusik noch immer an den martialischen Stil zu Ehren von Kaiser und Vaterland oder deren pseudodemokratischen Statthaltern statt an «Vorwärts Marsch» zu viel Fröhlichkeit und Lebensfreude. Das grosse Orchester, bestehend aus 10 Damen und 24 Herren, bildet mit hoher Intensität und Prägnanz einen variantenreichen Klangkörper, der eine Vielfalt von Gefühlen und Empfindungen bei den Zuhörern auslöst. Das Repertoire spannt den Bogen vom Volkslied über bekannteste Popmusik bis hin zur Klassik.

Eine spannende Reiseführung

Interessant und als Einstimmung hervorragend waren die Erläuterungen von Roman Engeler zu den Titeln des ersten Teils. Der Reigen begann mit einer Würdigung der Stadt Verona, deren Altstadt von der UNESCO den Titel Weltkulturerbe erhielt. In «Funiculi Funicola» war das Rattern der Bahn von Neapel auf den Vesuv unüberhörbar, und man wartete gespannt auf den feurigen Heiratsantrag, den ein junger Mann seiner Geliebten am Rande des heissen Vulkans machen würde. In Trapani, der sizilianischen Stadt, sollen in den Jahren 2001 bis 2008 vier Bürgermeister wegen ihrer Zugehörigkeit zur Mafia eingekerkert worden sein. Die fehlten nun eben, wenn vor dem Rathaus die jungen Mafiosi und anständige Bürgersöhne mit ihren Signorinas die Tarantella tanzten – («Tarantella Trapanese »). Die Aria aus einer Oper von Giacomo Puccini erzählt die Geschichte über einen Verstorbenen, der den ganzen Besitz einem Kloster vermachte, während die leiblichen Nachkommen leer ausgingen. Um das zu verhindern legten die Kinder einen Lebenden anstelle des Toten ins Bett. Der vermeintlich Sterbende, Giovanni Schicchi, lässt einen Notar rufen. Ein kleiner Teil des Besitzes fällt nach dem neu aufgesetzten Testament sozusagen als Trostpflaster den leiblichen Erben zu, als Haupterben setzt er jedoch sich selber ein – («O mio Babbino caro»). Die Geschichte vom traurigen Ende des ägyptischen Feldherrn Radames und seiner nubischen Geliebten Aida ist bekannt. Geraubt nach einem Feldzug nach Äthiopien verliebt sich die Prinzessin in den Heerführer. Doch auch die Tochter des Pharao liebt Radames. Die ganze Geschichte von Liebe, Verrat, Edelmut und Tücke endet in einem Tempel, wo Radames in der Krypta lebendig eingemauert wird. Unbewacht hat sich Aida hineingeschlichen …– («Aida», Triumphmarsch von Giuseppe Verdi).

Innovation gehört zur Kultur

Eröffnet wurde der Unterhaltungsabend von der Jugendband «dynamic», die seit ihrer Gründung im Jahre 2011 von vier Mitgliedern auf neun angewachsen ist. Wo immer die Musikgesellschaft spielt, erhält auch der Nachwuchs Gelegenheit, sein schon beachtliches Können zu zeigen. Unterstützt wird die Band von der Kifa AG, der Thurgauer Kantonalbank, von Swica und der Transportfirma Kägi AG. Gesellschaft und Band stehen unter der Stabführung von Marco Frischknecht, der für die Auswahl der Titel viel Anerkennung erhielt. Für das leibliche Wohl der Besucher und Besucherinnen sorgten der «Katholische Frauenverein» und «das Akkordeon-Orchester Aadorf-Elgg» mit grösster Aufmerksamkeit. Die Musikgesellschaft hat schon zweimal die Reise über die Kantonsgrenze nach Elgg angetreten. Elgg fehlt bekanntlich seit einigen Jahren eine eigene grosse Formation. Die Auftritte zusammen mit dem Tambourenverein Elgg und der Pfeifergruppe fanden in der Nachbargemeinde ein dankbares Publikum. Auch die Aadorfer Bevölkerung ist schon in den Genuss eines gemeinsamen Konzertes von Bläsern, Tambouren und Pfeifern gekommen. Es war der Beginn einer Tradition, die hoffentlich weiter geht.

Weiter mit den berühmten italienischen Cantante

Der zweite Teil, die Musiker und Musikerinnen hatten sich mittlerweile in einen italienischen Outfit geworfen, war ganz dem «canzone italiano» gewidmet. Die Namen der Interpreten sprechen für sich. Enrico Caruso, Mario Lanza, Toto Cottugno, Adriano Celestano, Umberto Tozzi. Eigentliche Ohrwürmer, die jedoch durch die orchestrale Aufbereitung ganz neue Facetten zeigten. Sollte nun jemand mal das Forte um eine Nuance mit dem Fortissimo verwechselt haben, so fiel dies in der angeregten Stimmung nicht im Geringsten auf, hätte man doch am liebsten bei manchen Stücken mitgetanzt. Gino Russo stellte zu jedem Titel eine Frage. Richtig beantwortet erhielt der oder die Glückliche einen Gutschein für ein Gratisgetränk in der Bar nach Ende des Konzerts. Im stimmungsvollen Zapfenstreich «Il silencio» spielte Hans Keller, Eschlikon, trotz Fieberbläschen den Solopart. Damit klang der Abend besinnlich aus. Das Publikum wurde zum Kuchenbuffet geladen sowie zum Besuch der «Ciocchetto Bar». Der Betrieb soll nochmals bis Mitternacht hohe Wellen geworfen haben. Zu dieser Stunde erhielten auch die Nieten unter den Tombolalosen eine Gewinnchance. Die Letzten gingen wohl erst nach Hause, nachdem die Polizei ihre nächtlichen Verkehrskontrollen eingestellt hatte.